Patente: Facebook auch ohne Nutzer wertvoller als Daimler

Aktueller Vergleich zeigt die wahre Potenz des Social-Media-Giganten

Patente: Facebook auch ohne Nutzer wertvoller als Daimler

Wie viel ist Facebook wert? Mehr als die Daimler AG? Was wäre, wenn beide von heute auf morgen sämtliche Nutzer beziehungsweise Kunden und alle materiellen Werte verlieren würden? Was bliebe dann noch an „geistigem Eigentum“ übrig?

Facebook musste in den vergangenen Wochen kräftig Federn lassen. Der Datenskandal reduzierte den Börsenwert des Unternehmens um mehr als 80 Milliarden Euro – rund 10 Milliarden über der Marktkapitalisierung beispielsweise der Daimler AG. Für das auf Patenbewertung spezialisierte Stuttgarter Unternehmen InTraCoM ein Anlass, das Patentportfolio – also das geistige Eigentum – der beiden Global Player genauer unter die Lupe zu nehmen. Bei der Recherche kam Erstaunliches heraus …

Kaum zu glauben: Facebook ist im Besitz von Patenten im Wert von 1,572 Milliarden Euro! Die traditionsreiche Wagenschmiede aus Stuttgart besitzt dagegen zwar deutlich mehr Patente als Facebook, deren Wert beläuft sich aber „nur“ auf 1,422 Milliarden Euro.

Wie InTraCoM-Geschäftsführer Dr. Dierk-Oliver Kiehne erklärt, habe sich Facebook in den letzten Jahren vor allem Patente im Rahmen höchst spezialisierter Datenverarbeitung an Land gezogen. „Den größten Teil des Portfolios nehmen Patente aus der Klasse G06F ein, dazu zählen Prozesse rund um die Verarbeitung digitaler Daten, unter anderem auch auf der Basis empirisch ermittelter Informationen.“ Allein deren Wert betrage rund 836 Millionen Euro, so Kiehne.

Relativ stark ist nach Expertenmeinung Facebook auch in Sachen drahtlose Kommunikation aufgestellt. Dazu zählen laut Kiehne die Funkübertragung digitaler Daten ebenso wie Aufbau und Betrieb von Drahtlosnetzwerken.

„Was auffällt: Bei nahezu allen Patenten geht es nicht nur um Software, sondern auch um Hardware“, sagt Kiehne. „Damit hat sich Facebook offenbar eine Tür offengelassen, um auch im Produktionsbereich mitmischen zu können.“ Erste Gehversuche in diese Richtung habe Facebook bereits 2013 gestartet. Mit dem Smartphone „HTC First“ und einer „Facebook Home“ genannten Benutzeroberfläche. Doch dieses Gerät sei bei den Nutzern nicht angekommen, sagt Kiehne.

Kommt ein neues Facebook Phone?

Die Initialzündung für den Start in die eigene mobile Welt läge vermutlich im Erwerb Hardware-orientierter Patente in der Klasse H04W in den vergangenen Jahren. „Inzwischen ist der Wert dieses Patentanteils von 3 Millionen auf 56 Millionen Euro gestiegen“, erklärt Kiehne. Verglichen mit dem H04W-Portfolio im Jahr 2012 bedeute dies eine Steigerung von über 4300 Prozent. Kiehne ist sicher: „Facebook-CEO Mark Zuckerberg setzt weiterhin auf mobile Kommunikation – und präsentiert vielleicht schon bald ein runderneuertes Smartphone.“

Das Highlight könnten Applikationen aus dem Bereich der virtuellen Realität sein, vermutet der Experte. „Dafür spricht der Erwerb von zwei Patenten aus dem Besitzt des VR-Unternehmens Oculus im Oktober und November vergangenen Jahres. Dabei geht es einerseits um die Erkennung eines Objekts inmitten vieler anderer Objekte allein durch dessen Lichtreflexion, andererseits um die Rekonstruktion eines nur teilweise erkennbaren Gesichts.“

Und dass Facebook quasi nebenbei auch auf Googles Spuren unterwegs sein will, sei an drei erst im März dieses Jahres erworbenen Patenten zu erkennen: Von der „Silicon Valley Bank“ habe das Unternehmen Patente für eine kontextbasierte und interaktive Suchfunktion erworben.

Mit ihrer einschlägigen und langjährigen IP (Intellectual Property)-Erfahrung hilft InTraCoM bei der Recherche, Analyse und qualitativen sowie monetären Bewertung von Patenten und Gebrauchsmustern.

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