Ökostrom

Öko-Strom ist nach der nuklearen Katastrophe in Fukushima geradezu ein muss. Kaum ein Anbieter auf dem überschaubaren deutschen Energiemarkt, der den „grünen“ Strom nicht in sein Angebot aufgenommen hat.
Der deutsche energiepolitische Sonderweg und die Vorreiterrolle die Deutschland international im Klimaschutz einnimmt sind vor allen Dingen eines: prestigeträchtig. Der ebenfalls deutsche Atomausstieg ist eine Folge dieser Entwicklung.
Doch man geht fehl in der Annahme, dass diese im Ansatz vollkommen richtige Energiepolitik eine tatsächliche Energiewirtschaftliche Wende impliziert. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die neu entdeckte Liebe der Bundesregierung zur Anti-Atombewegung als oberflächlicher Flirt. Da Energie ein Handelsgut darstellt, unterliegt sie als Ware den Gesetzten des Marktes. Durch den Atomausstieg wurden in Deutschland, Gott sei Dank möchte man sagen, viele veraltete Reaktoren vom Netz genommen. Das Abschalten der Kraftwerksrelikte ist zunächst erfreulich, aber das deutsche Netz ist durch den Wegfall der Altmeiler nicht mehr voll leistungsfähig. Damit keine Engpässe entstehen kauft man Energie aus dem Ausland. Diese ist in den meisten Fällen alles andere „grün“.
Die Bundesnetzagentur gab am Mittwoch bekannt, dass eventuelle Engpässe im kommenden Winter durch die Reaktivierung älterer Kohlekraftwerken wie in Mannheim, Mainz-Wiesbaden oder im saarländischen Ensdorf auszuschließen sein. In Österreich habe man sich ebenfalls Reserven sichern können. Insgesamt entsprechen sie der Leistung von zwei AKW-Blöcken. Die genannten Kohlekraftwerke gelten als unrentabel und sind generell nicht dafür bekannt, besonders ökologisch zu sein. Es kann nicht sein, dass sich eine Regierung die Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibt und gleichzeitig alte Kohlekraftwerke wieder in Betrieb nimmt. Einer Energie-Wende sieht anders aus. Der deutsche Sonderweg somit leider nur eine Mogelpackung.

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