Finanzstandort Deutschland

Nach acht erfolgreichen Jahren wird die Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) in ein Dialogforum Finanzstandort Deutschland überführt. Das Dialogforum wird künftig unter der Federführung der Verbände der Versicherungswirtschaft und der Kreditwirtschaft arbeiten.

Damit sollen die Strukturen und Abstimmungswege gestrafft und Doppelarbeiten vermieden werden.

In der neuen Dialogstruktur werden politische Themen einen breiteren Raum einnehmen. „Gerade jetzt, wo die Lösung der europäischen Schuldenkrise gemeinsam bewältigt werden muss, ist der Dialog zwischen den Entscheidungsträgern in Politik und Finanzwelt entscheidend“, sagte Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und diesjähriger Lead-Initiator des Dialogforums. Denn die Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise markiere auch in der Finanzplatzförderung einen Paradigmenwechsel. Angesichts der viel stärker als bisher angenommenen Vernetzung und damit Verletzbarkeit der einzelnen Akteure des internationalen Finanzsystems habe sich das Verhältnis der Finanzplätze untereinander gewandelt. Eine gemeinsame und umfassende Reform der europäischen und internationalen Finanzmarktarchitektur sei erforderlich, um auf einen nachhaltigeren Wachstumspfad zurückzufinden. Damit werde die Ausrichtung der Finanzplatzförderung zwangsläufig politischer und europäischer. Dem solle durch die neue Struktur Rechnung getragen werden.

„Auch unter den veränderten Gegebenheiten der Finanzwelt post Lehman bleiben genug Aufgaben für den intensiven Dialog im Finanzstandort. Der Dialog der Finanzindustrie in seiner repräsentativen Gesamtheit mit Politik und Bundesbank ist heute wichtiger denn je“, sagte Prof. Dr. Heise, Chefvolkswirt der Allianz, anlässlich der Pressekonferenz zur Vorlage des Finanzstandortberichts 2011.

Im vergangenen Jahr konnten sich die meisten Segmente des deutschen Finanzmarktes deutlich erholen. Damit spiegeln die Entwicklungen an den Finanzmärkten in Deutschland insgesamt das kräftige Wachstum der deutschen Wirtschaft wider. Dies ist eine zentrale Botschaft des diesjährigen Finanzstandortberichts.

Insbesondere blicken die Aktienmärkte auf ein starkes Jahr zurück. Nicht nur der DAX ist kräftig gestiegen, sondern auch die Zahl der IPOs an der Frankfurter Wertpapierbörse hat sich 2010 verfünffacht. Ebenso positiv verlief das Jahr für Investmentfonds, Zertifikate und Bankeinlagen; in diesen Marktsegmenten hat sich die Entwicklung bereits wieder weitgehend normalisiert. Der Markt für Lebensversicherungen konnte 2010 beim Beitragswachstum an das außerordentlich starke Ergebnis des Vorjahres anschließen. Generell etwas weniger stark fielen die Zuwächse auf den Finanzierungsmärkten aus. Aber sowohl Bankkredite und Verbriefungen, als auch Investitionen von Private-Equity-Gesellschaften haben im letzten Jahr die Talsohle durchschritten.

Damit haben sich die Erwartungen weitgehend erfüllt, dass der Finanzstandort Deutschland gestärkt aus der Finanzkrise hervorgeht und gute Chancen hat, künftig in Europa eine prägendere Rolle zu spielen. „An der Bedeutung des Finanzstandorts Deutschland als wichtigem Motor für Wachstum und Beschäftigung hat die Finanzkrise nichts geändert. Für die großen Herausforderungen, die vor uns liegen, brauchen wir einen starken Finanzstandort“, sagte Prof. Dr. Heise, Chefvolkswirt der Allianz.

Daneben werden in drei Sonderkapiteln des Berichts aktuelle Fragen der globalen Finanzmarktarchitektur, der Rolle des Bankkredits sowie der Staatsschuldenkrise im Euroraum behandelt. Dabei beschreiben die Autoren die Bedingungen für den weiteren Erfolg der Währungsunion. Die EWU benötigt eine neue Balance zwischen nationaler Wirtschaftspolitik und einem Mindestmaß an europaweiter Koordinierung. Der Grundstein für eine Wendung zum Besseren wurde durch die Änderung der institutionellen Rahmenbedingungen bereits gelegt. „Wesentlich für den langfristigen Erfolg des Euro wird es sein, ob Europa nach der Bewältigung der Krise bereit ist, den Weg der politischen Integration diszipliniert weiter zu gehen“, erklärte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. „Hierzu bedarf es einer konsequenten und glaubwürdigen Stabilitätspolitik.“

Über das Dialogforum
Das Dialogforum folgt der IFD nach, die 2003 ins Leben gerufen wurde. Im Mittelpunkt steht der Dialog über marktnahe und praxisbezogene Themen mit den Dialogpartnern Bundesministerium der Finanzen und Deutsche Bundesbank. Ziel ist die Stärkung des Finanzstandorts Deutschlands sowie die Werbung für dessen Interessen im internationalen und europäischen Rahmen.

Quelle: bdB

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